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  • Ingrid B.

Leben ohne Partner


Vorwort: Laut Umfrage von polis, der Münchner Gesellschaft für Politik- und Sozialforschung, betrachtet jeder fünfte Deutsche den Status des partnerlosen Singles als durchaus attraktiv. 46 Prozent der Befragten meinten, eine eventuelle Trennung würde für sie keine Katastrophe bedeuten. Und die Hälfte der Deutschen hat bereits eine Trennung hinter sich, die sie mit Erleichterung, manche sogar mit Euphorie quittierten.

Gestern war ich mal wieder beim Friseur. (Haben sie gewusst, dass es da inzwischen nicht nur Kaffee, sondern auch Prosecco gibt?) „Och, da nehm' ich gern ein Gläschen…“

Und während Ernesto sich liebevoll um meine nicht mehr so ganz üppige Lockenmähne kümmert, blättere ich gechillt durch die Frauenmagazine. Selbige sagen mir nicht nur, wie die perfekte Frau auszusehen hat, sondern bieten auch hin und wieder hochinteressante Selbsttests an: FINDE HERAUS, OB DU NIEMALS DEINEN PASSENDEN DECKEL FINDEST ODER OB DER TRAUMPRINZ SCHON VOR DER TÜR STEHT?

„Schätzchen“, meinte Ernesto nur wohlwissend – während er eine Haarsträhne mit Farbe beschmierte – „wenn du gleich mit der neuen Frisur hier raus gehst kannst du dir den Quatsch sparen“, sprachs und wickelte besagte Strähne sorgfältig in ein Stück Alufolie.

„Guck mal – früher hab‘ ich auch immer gedacht, ohne Partner kann man nicht glücklich sein. Stimmt aber gar nicht – es geht. Es dauert nur länger!“ Soweit die Lebensweisheit meines schwulen Coiffeurs.

Ich muss ihm leider Recht geben und noch eine Weisheit kann ich hinzufügen: „Niemand anderes ist dafür da, dich glücklich zu machen. Das bist nur du selbst.“

"So einen blöden Test kann ich mir also auch sparen", bemerke ich und beschreibe Ernesto meine Solisten-Freuden: "Guck mal, ich kann tun und lassen was ich will. Am Wochenende so lange ausschlafen wie ich möchte, in Jogging-Klamotten auf dem Sofa hängen, endlos Serien gucken, mich stundenlang im Fitness herumtreiben, mit Freundinnen Endlos-Telefonate führen, ausgehen so lange und so oft ich möchte, Maria Callas trällern lassen oder Beyoncé (All the single ladies - Now put your hands up…) in voller Lautstärke hören.

Klar ist auch, in meinem rosafarbenen Kühlschrank (auf den ich mächtig stolz bin) findet man nur Gesundes! Kein männliches Wesen verlangt pünktlich um 12 Uhr sein Mittagessen und will schon mittwochs wissen, was am Sonntag gekocht wird. Und vor allen Dingen: „Ich bin die Herrin der Fernbedienung! Auf den Mann, der da kommen und das toppen soll, bin ich gespannt!

Klar, ich gebe es zu: Manchmal ist das Single-Leben ein Arschloch! Wenn beispielsweise – wie letzte Woche passiert – die Kleiderstange auseinander bricht und ich mit Sekundenkleber vergeblich versuche, den Schaden zu richten, die Klospülung mal wieder nicht funktioniert oder das Ikea-Regal aufgebaut werden muss. Ja und ... ", bemerke ich verschämt, „Auf meiner rechten Bettseite liegen inzwischen rosa Plüschkissen damit es da weniger leer aussieht.“

"Jaaaaa! Rosa Puschelkissen", Ernesto stösst einen spitzen Schrei aus. "Wie bei mir! Aber was meinst du, wie schnell ich die beim richtigen Kerl auch ganz schnell unters Bett schmeißen würde!“ Wir müssen beide schallend Lachen und stoßen mit einem Glas Prosecco auf die gewonnenen Erkenntnisse an.

Zuhause angekommen bewundere ich meine neue Frisur nochmal zufrieden von allen Seiten im Badezimmerspiegel. Und der spricht heute zu mir: Schööön! Da ist kein Ehemann oder Lebensabschnittsgefährte der das "Kunstwerk" von Ernesto überhaupt oder nur mit einem höhnischen Kommentar versehen ("Vorher war schöner!") bemerkt. Glück gehabt!


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© 2017 by ingrid boucha

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