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  • Ingrid B.

Frech, wild und wunderbar


Meine Mutter wollte – wie wohl alle Mütter – immer nur das Beste für ihre Tochter! Für mich sollte es „Rote Rosen regnen …“ und ich sollte im Alter „mein Fleisch nicht im Pfund kaufen“ müssen. Was wohl so viel heißen sollte: so früh wie möglich einen adäquaten Mann für mich finden, heiraten, ein schönes Haus bauen, zwei bis drei Kinderchen groß ziehen und mich im Glanz meines gut verdienenden Ehemannes sonnen. Im Gegensatz zu meiner Schwester durfte ich sogar aufs Gymnasium! Damals noch eine rein katholische Lehranstalt, ein Mädchengymnasium - geführt von Nonnen.

Ende der sechziger Jahre war Bildung für Mädchen noch nicht ganz so en vogue. Wichtige Fächer waren damals noch Hauswirtschaft, Kochen, Nähen und Musizieren. Im Volksmund nannte man das auch „Höhere-Töchter-Schule“.

„Studieren? Brauchst du nicht, du heiratest ja mal...“ meinte meine Mutter. Mein Vater und ich stimmten dem nur kopfschüttelnd zu. Ja, meine Mama hatte so ihre Pläne mit mir!

Was ich wollte, zählte wenig damals. Aber ich war schon immer „frech, wild und wunderbar“ - ganz nach Pippi Langstrumpf-Manier. Ich war das Kind eines Paares, das in jungen Jahren die Schrecken des Krieges noch hautnah miterlebt hat. Mein Vater kam mit 20 aus russischer Gefangenschaft und erzählte nur Bruchstücke seiner schrecklichen Kriegserlebnisse. Meine Mutter leitete als ganz junges Mädchen einen Lebensmittelhandel, weil ihr Chef unter den Nazis im Gefängnis saß. Nach dem Krieg lernten sich mein Vater und meine Mutter kennen und erarbeiteten sich einen bescheidenen Wohlstand.

Der Träumer in der Familie war immer mein Vater. Er fand schließlich einen Weg, seine schrecklichen Kriegserlebnisse zu verarbeiten - glaube ich zumindest – dabei begrub er seine Träume anscheinend gleich mit!

Aber ich - ich wollte mehr. Mehr vom Leben und mehr von allem! Erst wollte ich Schauspielerin und dann Opernsängerin werden. Zum Schrecken meiner Mutter natürlich! Immer wieder sabotiert von meiner Mutter nahm ich sogar Gesangsstunden. Mit dem Resultat: Nicht ganz talentfrei aber für eine zweite Maria Callas wird’s wohl niemals reichen! Beim allerersten Vorsingen attestierte man mir sogar einen „S“-Fehler.

Mein allererster großer Traum von den Brettern die die Welt bedeuten war also geplatzt!

Okay... dann konzentriere ich mich halt auf die große Liebe und such‘ mir den passenden Ehemann. Mama hatte gewonnen!

Ich will jetzt nicht behaupten, ich hätte IHN bis heute noch nicht gefunden... aber mein aktueller Beziehungsstand ist "Single"! Und wissen Sie was? Das ist auch gut so!


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© 2017 by ingrid boucha

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