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  • Ingrid B.

Salz auf unserer Haut oder die Sache mit dem Schattenmann


Sie erinnern sich vielleicht? In den 90zigern gab es mal eine sehr erfolgreiche Fersehserie mit Mario Adorf - „Der Schattenmann“. Eine spannende Krimigeschichte rund um einen verdeckten Ermittler, der einen Mord aufklären soll. In meinem heutigen Beitrag geht es aber nicht um Mord, sondern um eine bittersüßen Liebesgeschichte.

Als Schattenmann bezeichnet man nämlich nicht nur "verdeckte Ermittler" sondern auch die Männer, die in das Leben einer Frau eintreten und sie in Liebe erglühen lassen – und trotz der nicht Lebbarkeit dieser Liebe einfach nicht mehr gehen. Sie verschwinden zwar rein körperlich (weil sie gebunden oder sonstwie nicht emotional verfügbar sind) aber trotzdem tragen wir ihr Bild in uns und wollen partout nicht loslassen. Wir vergleichen jeden anderen Kerl den wir treffen mit diesem einen, einzigartigen Mann. Er berührt unser Herz und unsere Seele tief im Innersten. Und natürlich verklären wir auch den Sex, den wir mit ihm haben oder hatten. Bezeichnen ihn sogar als den „besten unseres Lebens!“

In dem Roman "Salz auf unserer Haut" beschreibt die französische Schriftstellerin Benoîte Groult so eine bittersüße Liebesgeschichte mit einem Schattenmann.

Ich habe das Buch 1995 zum ersten Mal gelesen. Und dann immer mal wieder… Kürzlich verstarb Benoîte Groult in einem gesegneten Alter von 96 Jahren. Durch die erneute Medienpräsenz kam heraus: die Story ist autobiografisch. Aus heutiger Sicht mutet der Roman (der auch verfilmt wurde) zwar an wie ein züchtiger Vorläufer von „Fifty Shades of Grey" – gleichzeitig geht es aber auch um die großen Freuden und die großen Leiden einer Schattenliebe:

Eine blutjunge Pariserin aus gutem Hause verliebt sich in den Ferien in einen bretonischen Fischer. Die beiden werden zwar nie ein Paar, ihre Affaire dauert aber ein Leben lang! Der Roman endet damit, dass SIE als alternde Frau an SEINEM Grab steht und zu der Erkenntnis kommt, nicht wirklich gelebt zu haben…

„Oh doch Schätzchen - DU hast gelebt! Aber wenn man nicht ungehindert lieben kann, ist es keine Liebe! Wenn dein

'bretonischer Fischer' wirklich der Richtige gewesen wäre, wärst du längst mit ihm zusammen und es hätte auch nie den ANDEREN in deinem Leben gegeben. Du hast IHN geheiratet! Und der arme Kerl hat versucht, dich wirklich glücklich zu machen. Vergebens!

Das hat mir die weise Frau gesagt, die mir mal auf einem historischen Jahrmarkt „nur so zum Spaß“ die Karten gelegt hat. Ich glaube ja nicht an so einen Hokuspokus, aber wo sie Recht hat, hat sie Recht!

Meine Erfahrung, die ich mit vielen anderen Frauen teile, die einen solchen Schattenmann haben, ist diese: All die Maßnahmen, wie das Daten von unzähligen anderen Männern, das Anfertigen einer Liste wie armselig und feige der Supermann eigentlich ist oder die brutale Methode, sich immer wieder eine Abfuhr zu holen bis man schwer verletzt aufgibt, helfen nicht wirklich.

„Aber was hilf denn?“ Höre ich jetzt alle Schattengeplagten fragen...

Schau dir IHN und DICH selbst genau an! Ihr seit ganz einfach zwei Menschen, die sich gegenseitig ein wenig Wärme, Lust und Abwechslung schenken, deren Zeit füreinander aber längst abgelaufen ist. Du hast vielleicht gute Gründe, dich auf einen Mann einzulassen, der nicht wirklich verfügbar ist. Wenn Du in dich hineinhorchst, kennst du auch diese Gründe!. Wenn nicht, dann investiere noch ein wenig Zeit, sie zu ergründen. Dieses Tiefschürfen ist nämlich wichtig, weil sonst die Gefahr besteht, dass du deine unerkannten Bedürfnisse und Sehnsüchte auf einen Mann projizierst, der dich eigentlich nicht will.

Ich weiß das ist schwierig. Weil dein Schattenmann bei dir immer und immer wieder die Hoffnung schürt. Weil er nicht den Mumm aufbringt (aus welchem Grund auch immer) dich über seine - vielleicht nicht vorhandenen - Gefühle aufzuklären.

Aber: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“ und irgendwann (da bin ich mir ganz sicher) wird bei diesem Schattenspiel auch der Vorhang endgültig fallen. Und was dann bleibt, ist eine mega schöne Erinnerung daran, wie sehr DU lieben kannst.


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© 2017 by ingrid boucha

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