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  • Ingrid B.

Hubert ist nicht mehr wiederzuerkennen


Die Liebe ist eine Himmelsmacht -

oder: Die fast schon rituelle Einkleidung des neuen Lovers

„Warum müssen manche Frauen ihre Männer erst einmal total ummodeln, kaum dass es mit den beiden was Ernstes ist – kannst du mir das mal erklären?“ fragte mich kürzlich eine Kollegin in der Kantine und warf dem Kollegen, der vor uns in der Warteschlange stand, einen vielsagenden Blick zu. Selbiger ist nämlich seit ein paar Wochen mit Cordula zusammen und kommt fast täglich mit etwas Neuem ins Büro: Sakko neu, Frisur neu, Kontaktlinsen statt Brille. Die viel zu langen Beine stecken plötzlich nicht mehr in Hosen mit Hochwasser. Und die leichte Bräune (Sonnenbank? Selbstbräuner?) verpasst ihm einen ausgesprochenen smarten Touch. Kurz und gut: Hubert ist nicht mehr wiederzuerkennen.

Die Liebe ist eine Himmelsmacht und scheint auch vor dem Herrenausstatter, im Kosmetik- und im Friseursalon nicht halt zu machen.

Aus vormals verschämten Resthaarträgern (gerne zum Drüberkämmen der kahlen Stellen gezüchtet) werden plötzlich sexy Kojak-Glatzköpfe. Holger, der mit der Schnittlauch-Mähne, trägt jetzt einen flotten Franzenpony. Und der letzte Zopf-Träger in meinem Bekanntenkreis begrüßt mich seit seiner schicksalhaften Begegnung mit Marion als Stiftenkopf.

Aus Schnauzbärtigen (und ehrlich, wirklich sexy fanden wir so einen doch nur an Omar Sharif!) werden plötzlich Babyfaces, und aus den Glattrasierten modische Bartträger.

Und wissen Sie, warum Optiker und Zahnärzte heutzutage gar nicht schlecht verdienen? Weil die junge Liebe hin und wieder auch Jacketkronen fordert und Brillenträger, kurz nach dem Eingehen neuer Bindungen, auch neue Fassungen benötigen.

Hand aufs Herz! Beim ersten Date misten wir Frauen doch manchmal schon in Gedanken seinen Kleiderschrank aus. Verlangen als Liebesbeweis zartrosa gestreifte Hemden, statt Karo-Flanell im Holzfäller-Look.

Noch bis vor kurzem hätte Rüdiger nie und nimmer seinen geliebten Lodenmantel entsorgt. Seiner Liebsten zuliebe trägt er aber jetzt die sündhaft teure Biker-Lederjacke von einem angesagten Designer. Schließlich sollen die Leute nicht denken, unser Neuer wäre so konservativ oder proletarisch, wie er aussieht.

Die fast schon rituelle Einkleidung des neuen Lovers ist natürlich und typisch weiblich. Ganz böse Zungen behaupten: Was „frau“ eigentlich ändern möchte, sind nicht die Socken, sondern ist der Mann. Mode hin oder her! Am widerborstigsten gegenüber der eleganten Frau zeigen sich übrigens bereits ergraute Jeans-Träger um die 60. Der neuen Flamme gelingt es oft nur – und das ist mächtig schick – ihm einfach einen Kaschmir-Blazer drüber zu hängen und gut is‘!

Trotzdem: Ärmer dran sind die in gefärbter Wolle daherkommenden Konservativen. Wenn die in die Hände einer modebewussten Frau fallen, ist nichts mehr wie es war: Karl-Heinz muss einfach lernen, sich den Schal aus Knitterseide nonchalant umzubinden! Das ist mächtig trendy und macht ihn um zehn Jahre jünger.

Leider kann man nicht immer sagen, dass die Ummodelung dem Manne bekommt. Bisweilen wirkt das Tuning des Partners auf Außenstehende so, als habe jemand einem Opel Corsa mit Gewalt einen Mercedes-Stern aufgesteckt. Oder einen grundsoliden Golf mit Tigerplüsch ausstaffiert.

Unter ästhetischen Gesichtspunkten ist es keine Frage: Bertrams Feinripp-Schlüpfer gehörten schon längst in den Rot-Kreuz-Container! Aber neulich beim Betriebsarzt fühlte er sich in seinen knallengen Unterhosen in Leder-Optik und ohne Eingriff schon ein bisschen befangen… Und der Mann der immer so wirkte, als hätten schon seine Pampers Nadelstreifen gehabt, der kommt uns im bedruckten „Dieter-Bohlen“-Hemd nicht gerade glücklich vor…

Amerikanische-Juristen behaupten es ja seit langem: Die Vergewaltigung von Männern durch Frauen ist längst an der Tagesordnung!


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© 2017 by ingrid boucha

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